7th World Peace Wall | Lima | Peru

Juni 2008

Manchmal hat das leben unerklärlich erscheinende Wunder für uns bereit. So traf ich im Februar diesen Jahres Mat Mc Pherson auf dem Dach des “5Pointz”- Komplexes in Queens/new york, als ich an meiner kleinen “Peace Wall” arbeitete. Wir unterhielten uns über das Projekt und darüber, wohin meine nächsten reisen gehen sollten. Als ich uganda erwähnte, wurde er Feuer und Flamme, und erzählte mir, dass sein Vater eine Hilfsorganisation in uganda gegründet hatte und dass er selber auch schon dort gewesen sei. tatsächlich traf ich seinen Vater in uganda für wenige Minuten am Flughafen in entebbe. Mat erwähnte auch, dass er leiter einer christlichen Jugendgruppe aus Denver sei und dieses Jahr in lima / Peru mit seinen Schützlingen ein Hilfsprojekt geplant habe. Spontan fragte er mich, ob ich nicht interesse hätte, mit den Jugendlichen dort eine„Peace Wall“ zu gestalten. ich willigte, beglückt über diesen zu-Fall, ein und hatte zwei Wochen später mein ticket nach Peru in der tasche. Die Gipfel der Andenausläufer ragten aus der dicken Wolkendecke, unter mir konnte ich einige bergdörfer und Plantagen ausmachen, dann tauchte unser Flugzeug in die dicke Wolkenschicht ein. Als sich der nebel lüftete, bot sich mir das bild eines braun gefärbten Meeres aus Häusern und Staubpisten, direkt neben dem petrolblauen Pazifischen ozean.

im Winter gibt es so gut wie keine Sonne in lima, der Himmel ist ständig bedeckt, da die Wolken sich in den bergen rund um die Stadt verfangen, leider jedoch dem trockenem land ganz selten regen schenken. Die Stadt erschien mir durch die wenigen Farben, die braunen berge, die flachen Häuser, den bedeckten Him- mel und die leeren, breiten Straßen, minimalistisch, depressiv und verlassen.

laut Statistik ist lima die gefährlichste Stadt Südamerikas. noch dazu waren kürzlich die Gefängnisse so überfüllt, dass einige Gefangene wieder freigelas- sen werden mussten. Dass die meiste Kriminalität da entsteht, wo viel Armut herrscht, dafür ist auch lima ein gutes beispiel.

elsa Gomez, eine liebenswerte Pastorin, deren Gemeinde eine Partnerschaft mit der Kirche in Denver hat, holte mich vom Flughafen ab. es war das erste Mal, dass ich mit einem riesigen Schild, das meinen namen trug, emfangen wurde.

Mat kam einige Stunden später an. Die ersten zwei tage verbrachten wir mit dem besorgen von Material und mit besuchen in verschiedenen Hilfseinrichtungen, welche obdachlosen und drogensüchtigen Jugendlichen eine chance zur rehabilita- tion geben. Was mir fragwürdig erschien, war, dass diese Menschen vom Alltag weggesperrt und wie in legebatterien zusammengepfercht werden, um ihnen einen neuen Weg durch das Studium der bibel (und durch nichts anderes) zu

ermöglichen. Am Abend des zweiten tages erreichte auch craig nason mit seiner 35-köpfigen Gruppe lima. Sie bestand größtenteils aus Jugendlichen im Alter zwischen 19 und 25 Jahren sowie einigen betreuern, zwei zahnärzten

und deren Assistenten. Gemeinsam wollten sie in den räumen von elsas Kirche eine zahnarztpraxis einrichten,
um vielen Kindern und erwachsenen die Möglichkeit zu geben, kostenfrei ihre zähne in ordnung zu bringen.
Außerdem sollte in einem nahegelegenen Park ein Spielplatz aufgebaut und dessen umfeld verschönert werden. Auch mir wurde ein team bereitgestellt, das mir beim Malen meiner Wand behilflich sein sollte. ich hatte mir zwei gegenüber liegende Wände am eingang des Viertels ausgesucht. Auf der einen entstand das Hauptmotiv: im zentrum stellte ich zwei peruanische Kindergesichter und links davon die letzte inka Festung Maccu Piccu, hinter der eine stilisierte rot-weiße Sonne aufgeht, die gleichzeitig die Flagge des landes darstellt.

Der Spruch „Hazme un instrumento de
tú paz“ (Mach mich zu einem Werkzeug Deines Friedens) ist in einen Sonnenstrahl integriert. Die andere Wand war durch ihre grobe backsteinstruktur schwerer zu bemalen, daher wurde das Motiv eher großflächig und grafischer angelegt. Viele Kinder hinterließen hier wieder ihre Handabdrücke als Friedenssiegel.

Die folgenden tage waren voller schöner erlebnisse und Harmonie. Ständig waren die Kinder des Viertels um uns herum. Freundschaften entstanden, es wurden Spiele gespielt und Musik gemacht. Jeder ging geschäftig und hilfs- bereit seinen zugeteilten Aufgaben nach. Stück für Stück konnte man die positive Veränderung sehen und fühlen. es ist ein großes Geschenk an uns, dass wir, die in der westlichen Welt aufwachsen dürfen, so viele Möglichkeiten der bildung und entwicklung besitzen.

unsere Generation hat die chance, vieles auf der erde zu verändern, wenn wir uns unserer Aufgaben bewusst werden und diese mit einem aufrechten Verantwortungsempfinden erfüllen. Gemeinsam lässt sich viel Gutes erreichen, wenn man die Grenzen des egoismus überwinden kann.